Bilder von der Begleitung des Vorauskommandos
des Deutschen ISAF-Kontingentes
nach Kabul (Afghanistan)


Dieses Bild von einem afghanischen Jungen, barfuß im Schnee, habe ich am Straßenrand in der Nähe des deutschen Feldlagers "Camp Warehouse" in Kabul fotografiert. Im Stab des deutschen Einsatzkontingentes fand diese Aufnahme so viel Beachtung, dass sie als Motiv für den ersten Satz der ersten ISAF-Feldpostkarten-Edition ausgewählt wurde. Die Feldpostorganisation der Bundeswehr hat seit den Anfängen der Auslandseinsätze der Bundeswehr gigantisches geleistet. Die Würdigung dieses wichtigen Dienstes durch Herausgabe einer Feldpost-Sonderbriefmarke der Deutschen Post AG ist mehr als überfällig!
Der Einsatzort Kabul ist durch extremes Kontinental- und Höhenklima geprägt. Auf 1800 m über N.N. fernab der Ozeane gelegen, sind die Winter kalt und die Sommer heiß. Mensch und Material haben nicht nur mit den unwirtlichen Temperaturen zu kämpfen, sondern auch mit dem puderfeinen allgegenwärtigen Staub.
Unter diesen Voraussetzungen waren die beiden Pfarrer mit ihrem gemeinsamen Unterkunfts- und Dienstzimmer, das sie sich mit einem Soldaten teilten, privilegiert gegenüber den vielen Soldaten des ISAF-Vorauskommandos, die den afghanischen Winter in schlecht beheizten Zelten durchzustehen hatten. In dem zunächst unbeheizten Raum war der Daunenschlafsack der Kältespezialausrüstung eine Wohltat.
Die vom evangelischen und katholischen Militärgeistlichen angebotenen Gottesdienste für das ISAF-Vorauskommando im "Camp Warehouse" wurden in Ermangelung geeigneter Räume als Feldgottesdienste unter freiem Himmel gefeiert.
Da es keine Sitzgelegenheiten für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer gab, galt für die Predigt: "In der Kürze liegt die Würze". Unter den Gottesdienstbesuchern waren auch manche Soldatinnen und Soldaten, die zwar keiner Kirche angehören, den Gottesdienst aber als Kontrast zum militärischen Alltag dankbar angenommen hatten.
Als Christen bringen wir unser Leben vor Gott zur Sprache, dürfen ihm "Freud und Leid" anvertrauen. Die Nachricht von einem in der Heimat verunglückten Kameraden vereinte die Angehörigen einer Luftlandeeinheit zu einem überkonfessionellen Trauergottesdienst.
Das Dienstzimmer der Militärgeistlichen wird zu Beginn eines Einsatzkontigentes von den Soldatinnen und Soldatenzunächst als Informationsbörse und Kommunikationszentrum wahrgenommen. Wenn die Einsatzmonate später im Kontingent scheinbar nicht mehr enden wollen, wird diese "befehlsfreie Zone" gern auch zum vertraulichen Gespräch mit den Seelsorgern genutzt. Kommunikation und Diskretion sind wichtige Voraussetzungen für den Dienst der Militärseelsorge.
"Gedenke Mensch, dass du Staub bist und zum Staub zurückkehren wirst": Aschermittwoch 2002 im "Camp Warehouse" mit Austeilung des Aschenkreuzes: Symbol des Sterbenmüssens und der Überwindung des Todes durch die Auferstehung Jesu Christi.
Zu den Aufgaben der International Security Assistance Force (ISAF) gehört die Räumung von Kampfmitteln im Einsatzgebiet. Beim Versuch, aufgefundene Kampfmittel zur kontrollierten Sprengung vorzubereiten, kam es zu einer Explosion, der zwei deutsche und drei dänische ISAF-Soldaten zum Opfer fielen. Weitere Soldaten wurden schwer verwundet.
Die deutschen Militärgeistlichen und ihr dänischer Amtsbruder waren zur Stelle, als die Verletzten ins Luftlanderettungszentrum eingeliefert wurden, sie leisteten den Opfern wie auch den Sanitätern geistlichen Beistand, sie berieten die militärische Führung beim weiteren Vorgehen, waren an der Bergung der Toten beteiligt und segneten sie bei der Einsargung ein,
sprachen und beteten mit den Augenzeugen, gaben Interviews für die Medien, gestalteten die kirchliche Trauerfeier im "Camp Warehouse" und empfingen die Kondolenzbesuche der Militärgeistlichen anderer ISAF-Teilnehmerstaaten.
Schließlich begleitete ich die Überführung der Toten nach Deutschland. Damit endete zunächst mein Dienst bei der ISAF-Friedenstruppe. Danach habe ich die Bundeswehr noch zwei Mal in Afghanistan besucht.

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