Bilder von der Begleitung des Zweiten Deutschen KFOR-Kontingentes
nach Prizren (Kosovo)

Nur wenige Wochen nach dem Einzug der NATO-Truppen in das Kosovo bin ich 1999 zur
seelsorgerlichen Begleitung des deutschen KFOR-Kontingentes im Kosovo angekommen.

Nicht nur unzählige Wohnhäuser und Betriebe, sondern vor allem Gotteshäuser, Kirchen und Moscheen, fielen und fallen in dieser Krisenregion dem unversöhnlichen Gegeneinander der Volksgruppen zum Opfer, die das Amselfeld seit Jahrhunderten gemeinsam bewohnt haben.
Die Bundeswehr kam mit ihrem überalterten Fuhrpark im Einsatz an die Grenzen ihrer materiellen Möglichkeiten. Den Kampf um ein funktionierendes und verkehrstüchtiges Auto, mit dem die Militärseelsorger ihre Truppen im Einsatzgebiet besuchen können, hatten schon die deutschen Feldgeistlichen früherer Zeiten durchzustehen. Auch heute noch gibt es leider manche unfaire Begehrlichkeiten in der Truppe nach den Autos der Pfarrer.
In den Uniformen stecken Menschen, keine Roboter! - Die Begegnung mit den Schrecken des Krieges ist für manchen Angehörigen der Friedenstruppen ein Schock. Hier die Öffnung eines Massengrabes voller Ermordeter in der Nähe von Orahovac.
Die Feldgottesdienste im deutschen Verantwortungsbereich der KFOR fanden an unterschiedlichen Orten statt. Manchmal in Betreuungseinrichtungen, nicht selten unter freiem Himmel als Feldgottesdienste.
Manche Soldaten, die zuhause "nie im Leben" auf den Gedanken gekommen wären, am Sonntag in die Kirche zu gehen, haben sich dankbar in die christliche Gemeinschaft eingefügt.
Die Begegnung mit dem Leid eines vom Krieg gezeichneten Landes und seiner Bewohner führt manche Soldaten, die als "Wohlstandskinder" vergleichsweise sorgenlos aufgewachsen sind, zum ersten mal ganz intensiv zu der Frage nach dem Sinn des eigenen Lebens. In fast jedem Kontingent der Friedenstruppe kommt es vor, dass sich Soldaten beim Pfarrer melden und ihn um ihre Taufe bitten.
Von denen, die als Friedenssoldaten aus ihrer Heimat in den Einsatz geschickt wurden, kehren nicht immer alle lebendig nach Hause zurück. Auslandseinsätze bergen viele Gefahren: der Tod durch kriegerische Gewalt und sonstige Feindseligkeiten ist die seltenste Todesursache. Viel häufiger werden Soldaten zu Opfern von Verkehrsunfällen und Unfällen mit Waffen und Munition.
Wie belastend der militärische Dienst fern der Heimat empfunden werden kann, zeigt die Tatsache, dass es in den Einsatzen leider immer wieder auch zu Selbsttötungen kommt. Vermutlich sind Suizide Kurzschlusshandlungen, die auch eine noch so engagierte Seelsorge nicht hätte verhindern können.

Zurück